Interview mit der Gründerin Frau Angelika Schlösser


Angelika SchloesserFrau Schlösser, vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit nehmen. Was hat Sie eigentlich damals dazu bewogen, diesen ambulanten Pflegedienst zu gründen?
Ich hatte bereits für zwei Arbeitgeber einen ambulanten Pflegedienst aufgebaut. Allerdings unterliegt man in einem Unternehmen stets den Vorgaben der Vorgesetzten. In diesem engen Gerüst musste ich mich immer wieder rückversichern: Darf ich dieses oder jenes tun? Irgendwann wollte ich nicht mehr in einem solch engen Umfeld arbeiten, weil für mich immer der Mensch im Vordergrund stand. Deshalb sagte ich mir: Das, was du für andere kannst, kannst du auch für dich selbst. Da fiel die kurzfristige Entscheidung im Jahr 2001, einen eigenen ambulanten Pflegedienst zu gründen.

Wie ging es dann weiter? Der Weg von der Gründung zu einem Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern ist schließlich recht weit.
Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass man mit einer Mindestanzahl von 4 Vollzeitkräften beginnt. Dies haben wir natürlich umgesetzt und im Juni 2001 unsere Büroräume in der Bahnhofsstraße bezogen. Durch den bereits vorhandenen Bekanntheitsgrad, hatten wir direkt zu Anfang knapp 30 Kunden, die wir versorgt haben. Und im Kopf habe ich mir eigentlich immer gesagt: Wenn man circa 50 Kunden betreut, dann ist das ein gutes Ziel.

Das hat doch recht schnell funktioniert!
Ja, das hat sehr schnell funktioniert und bei meinem eigentlichen Limit wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Der Pflegedienst wuchs schon in der Bahnhofsstraße sehr zügig. Wir mussten mehr Personal einstellen, haben den Haushalts- und Betreuungsbereich dazu aufgebaut, alles vergrößerte sich sehr schnell und die Büroräume wurden immer enger. Irgendwann hatten wir 80 Kunden, dann 100, wir benötigten mehr Autos und mehr Personal…

Deshalb sind Sie dann 2005 in das sogenannte „Sie-Werk“ in Rheinbach gezogen?
Wir hatten damals die Situation, dass teilweise zwei oder drei Angestellte in einem Büro gearbeitet haben. Das wurde schon schwierig. Daher haben wir 2004 neue Räume gesucht und dies auch bei der Stadt kundgetan. Wir wurden angesprochen, dass an der Marie-Curie-Straße neu gebaut werden würde und ob wir uns diese Lösung vorstellen könnten. Da wir schon früh dabei waren, konnten wir die Büroräume planen und im Oktober 2005 einziehen. Dort war der Platz erstmal ausreichend.

Erstmal?
Erstmal! Mittlerweile haben wir jedoch über 100 Mitarbeiter und eine so hohe Kundenzahl, dass auch in der Marie-Curie-Straße der Platz knapp wird. Auch ist der Raum für Neuerungen dort nicht vorhanden. Also mussten wir uns wieder nach neuen Möglichkeiten umsehen. Das geschah Ende 2009. Ich wollte die Firma weiter vergrößern und gerne eine Tagespflege aufbauen. Wir wollten auch immer eine Wohngruppe mit ambulanter Betreuung betreiben. Das ist eine Wohnform, die es so im Rhein-Sieg-Kreis noch nicht gibt und bei der der Mensch und seine Selbstständigkeit absolut im Vordergrund stehen.

Wie sind Sie dabei auf Meckenheim gekommen und wieso gab es keine Option in Rheinbach?
Ich habe meine Ideen der Stadt Rheinbach und im Gründer- und Technologiezentrum mitgeteilt und die einzelnen Vorstellungen ausgeführt. Der Wirtschaftsförderer kannte viele Leute, Investoren haben sich mit uns in Verbindung gesetzt. Darüber haben wir unseren Investor Herrn Schaffrath und die Architekten Marzusch kennengelernt, die uns ein entsprechendes Gebäude geplant und gezeichnet haben. Das Hauptaugenmerk lag darauf, dafür ein passendes Grundstück zu finden, was in Rheinbach leider nicht möglich war. Daraufhin hat Herr Schaffrath sich in Meckenheim erkundigt und dort das perfekte Grundstück für uns gefunden, wo sich das gesamte Projekt verwirklichen ließ. Ende 2013 wurde das Grundstück gekauft, im Juli 2014 war Baubeginn und jetzt stehen wir kurz vor dem Umzug. Wie die Zeit vergeht…

Das sind viele positive Entwicklungen für Ihr Unternehmen.
Wir sind da sicherlich auf einem guten Weg. Hinzu kam noch, dass Stephan, mein Sohn, im Jahr 2011 in die Firma kam, der mit seinem BWL-Studium viele Aufgaben übernehmen konnte. Ich habe in dieser Zeit gemerkt, wie groß das Unternehmen mittlerweile war und die Projekte Tagespflege und Wohngruppe brachten zusätzliche Belastungen. Heute sind wir beide in der Geschäftsleitung und teilen uns die Arbeit sehr gut auf. So waren die Projekte und der anstehenden Umzug optimal zu stemmen.

Sie fiebern dem Umzug also schon richtig entgegen?
Natürlich. Das ganze Projekt mit den Räumen für den ambulanten Pflegedienst, der Tagespflege und dem betreuten Wohnen ist ein Vorzeigeobjekt für den Rhein-Sieg-Kreis, das es so schnell nicht mehr geben wird. Das wurde uns von allen Seiten bestätigt. Von der Stadt, vom Investor, von unseren Partnern, den Banken und den Krankenkassen. Wenn wir im Laufe des Oktobers umziehen, bedeutet das nochmal eine große Anstrengung. Aber dann haben wir die optimalen Voraussetzungen für Kunden.

Und welche positiven Effekte gehen mit dem Umzug sonst noch einher?
Die Tagespflege ermöglicht es unseren Kunden, länger in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Durch die optimale Betreuung und das therapeutische Konzept werden auch die Angehörigen entlastet. Zudem liegt der neue Standort weitaus zentraler in unserem Einzugsgebiet zwischen Eifel und Rhein. Unsere Mitarbeiter kommen einfacher zur Arbeit, da das Gebäude fußläufig in drei Minuten vom Bahnhof erreichbar ist. Das ganze Team freut sich auf die neuen Räume. Wir haben hier bei Schulungen mehr Möglichkeiten und alles ist auf dem neuesten Stand der Technik. Das wird sich auch auf unsere acht Auszubildenden pro Jahr nochmal positiv auswirken. Wer sich von den Örtlichkeiten selbst ein Bild machen möchte, ist jederzeit herzlich eingeladen.

Sind kurz- oder mittelfristig noch weitere Projekte in Planung? Wo stehen Sie, wenn wir uns in 5 Jahren nochmal zu einem Interview treffen?
Kurzfristig haben wir unsere gesamte Außendarstellung ausgebaut. Das sieht man an der neuen Broschüre, an der Kundenzeitung oder dem Online-Auftritt. Wir sind viel präsenter. Davon wollen wir profitieren, sowohl bei den Kunden, als auch bei den Mitarbeitern. Wir stehen dafür, besonders nah am Menschen zu sein und leben dieses Konzept. Mittelfristig wünschen wir uns noch eine zweite betreute Wohngruppe. Dafür sind auch schon Pläne in der Schreibtischschublade. Wir hätten keine Probleme, diese Wohngruppe auch noch zu füllen. Stephans Traum hierbei ist es, diese Wohngruppe nicht nur für Senioren, sondern auch für junge Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung zu öffnen. Und Träume, das haben wir hier im Unternehmen alle gelernt, soll man sich erfüllen!

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